Moderne Ansätze kooperativen Wirtschaftens gibt es schon seit Jahren. Viele Menschen suchen nach Tätigkeiten, die vor Ort wirksam sind und einen unmittelbaren Bezug zur eigenen Lebenswelt haben. Regionalgeld, Tauschringe, Repair-Cafés, Tauschläden, Soziale Kaufhäuser, Leihsysteme, Stadtgärten, Solidarische Landwirtschaft, das alles hat Konjunktur und basiert zumeist auf ehrenamtlichem Engagement. Systematische kommunale Förderkonzepte – etwa im Rahmen der Wirtschaftsförderung – fehlen bislang jedoch.


Die politischen Entscheidungsträger nehmen die Entwicklung zwar mit Interesse und Wohlwollen zur Kenntnis, sehen aber noch nicht so recht ihre Verantwortung und ihre Rolle beim kooperativen Wirtschaften. Dabei sind hier erhebliche gesellschaftliche Potentiale zu heben. Neue ökonomische Strukturen entstehen, die dem allseits geforderten Leitbild der Nachhaltigkeit entsprechen. Doch selbst wenn sich kommunale Wirtschaftspolitiker die Stärkung von regionalen Wertschöpfungsketten, Gemeinwohlwirtschaft und zukunftsfähigen Unternehmen zum Ziel setzen, erschöpft sich ihr Vorgehen oft nur in Einzelmaßnahmen, statt eine konsistente Strategie zu verfolgen.


Die Zeit ist reif, ein Handlungskonzept zur systematischen Förderung von kooperativen Wirtschaftsformen in Kommunen zu entwickeln. Dieses Konzept wird hier als »Wirtschaftsförderung 4.0« bezeichnet – ein Kunstbegriff in Anlehnung an das »Zukunftsprojekt Industrie 4.0«, mit dem die Bundesregierung die Digitalisierung der Industrie fördern will.


Wirtschaftsförderung 4.0 ist ebenfalls ein Zukunftsprojekt. Erste Vorüberlegungen finden sich in diesem Kapitel. Der Kern ist jedoch eine sozial-kulturelle »Hightech-Strategie«. Ihr Ziel ist die systematische Ausweitung von kooperativen Wirtschaftsformen und die methodische Stärkung der Regionalwirtschaft. Pointiert ausgedrückt: Das WF4.0-Konzept sorgt dafür, dass eine Lasagne in Zukunft so weit als möglich in der Region hergestellt werden kann.